Freitag, 12. Juni 2015

Mit "Rad & Finca" auf Mallorca

Im Winter erzählte mir meine Freundin Monika, dass man über www.radunfinca-mallorca.com gemütliche Radtouren mit Uebernachtung bei ihnen auf der Finca Son Canals buchen kann.

Die Touren sind leicht und auch für nicht so geübte Radler zu bewältigen…

…ist auf der Homepage von www.radunfinca-mallorca.com zu lesen. Das wäre doch genau das Richtige für mich, bin ich doch momentan nicht so fit im Laufsport und auch schon mehrere Jahre nicht mehr mit dem Rennrad gefahren. Die 6 Etappen von 12 bis 70 km sollte ich schaffen und sonst könnte ich auch mal eine auslassen, da man auf der sogenannten Sternfahrt immer am gleichen Ort übernachtet. So hätte ich zwei Fliegen auf einen Streich. Könnte mich einerseits etwas sportlich betätigen und gleichzeitig unsere Freunde in Mallorca besuchen.
Unmittelbar nach der Buchung wurden mir detaillierte Routenpläne mit Kilometer-Angaben per Post zugestellt. Da kamen jedoch schon mal die ersten Zweifel auf: “Muss ich denn da alleine Rad fahren und die Strecke jeweils suchen?” Radferien kenne ich sonst nur mit einem Guide, der vorausfährt und man einfach in die Pedalen tritt und diesem folgt.
 
„Du bestimmst dein Tempo, deine Pausen, da all unsere Touren individuell und nicht geführt sind. Es besteht kein Gruppenzwang! Erfahrungsgemäss ist es aber so, dass sich eine Gruppe bildet und alle gemeinsam fahren. In der Woche sind noch weitere 5 Personen auf Son Canals. Alle fahren die gleichen Touren. Die Streckenbeschreibung ist eine  Orientierungshilfe, zusätzlich sind unsere Strecken auch mit eigenen Pfeilen an Strassenschildern ausgeklebt.“ wurde ich von Rad & Finca aufgeklärt.

Da war ich ja mal gespannt, ob ich Anschluss zu einer Gruppe finden würde, zumal ich auch erst einen Tag später anreiste. Kurz nach Ankunft auf der Finca, stellte mich Monika gleich den anderen Teilnehmern vor. Claudine und Thomas aus der Schweiz, Claus-Peter und Uschi mit ihrem 34-jährigen „Kind“ Steffi aus dem deutschen Erfurt. Sie alle sind am Tag bereits die 1. Etappe gefahren und tatsächlich machten wir gleich ab, dass ich ab morgen gemeinsam mit den drei Deutschen fahren würde. Nach dem Nachtessen wurde ich von Uli und Stefan, den Machern von „Rad & Finca“, herzlich begrüsst und die Etappen wurden nochmals besprochen. Das auf meine Grösse vorbestellte 21-Gang-Trekkingrad passte bestens. Zur Ausrüstung gehörten ein Nummernschloss, eine praktische Seitentasche und eine Lenkradtasche, in welcher man das Kartenmaterial gut sichtbar verstauen kann.

Am 1. Tag brauchte ich allerdings noch keine Streckenkarte. Nach dem reichhaltigen Frühstück ging es vorerst nur zum Bahnhof von Petra, wo wir unsere Räder hinstellten und mit dem Zug nach Palma fuhren. Dort erwartete uns ein geführter Stadtrundgang. Obwohl ich Palma schon so oft besucht hatte, erfuhr ich von dem Reiseleiter viele interessante Neuigkeiten über die Stadt Palma und Mallorca. Natürlich blieb auch genügend Zeit, um durch die vielen Gassen zu flanieren, sich beim Shopping zu verweilen oder um sich in einem der hübschen Strassencafés zu vergnügen.
Ab Dienstag waren die Etappen dann schon etwas länger. Rundfahrten zwischen 36 und 70 km waren auf dem Programm, aber immer mit abwechslungsreichen Zwischenstopps, die sich die Rad-und-Finca-Organisatoren mit viel Fingerspitzengefühl ausgesucht hatten. Alles war perfekt organisiert und im Pauschalpreis inbegriffen.

Am 2. Tag fuhren wir zuerst auf verkehrsarmen Nebenstrassen zu einem Restaurant mit typisch mallorquinischem „Pa amb Oli“ (Brot und Olivenöl), bevor es dann vorbei an Mandel- und Olivenbäumen nach Santa Maria del Camí weiterging. Dort war für uns am späteren Nachmittag eine Besichtigung mit Degustation auf dem Weingut Macia Batle reserviert. Damit wir den Wein auch geniessen konnten, wurden wir von „Rad& Finca“ samt Räder abgeholt und mit dem Transporter zurück zur Finca gebracht. Obwohl es den edlen Rebensaft aus Binissalem nicht literweise gab, lockerte es schon ein bisschen unsere Stimmung. Am Abend beim gemeinsamen Nachtessen wurde viel gelacht und bei einem Art „heiteren Berufsraten“ lernten wir uns auch schon besser kennen.

Ein weiteres Highlight erfolgte am 3. Tag. Nach einem Besuch auf dem Markt in Sineu landeten wir zum Mittagessen im Dörfchen Maria de la Salut in einer landesüblichen Metzgerei. Mit viel Herzlichkeit wurde von dem familiären Betrieb grosszügig alles aufgetischt, was die mallorquinische Küche zu bieten hat. Gestärkt mit Sobrasada, Käse, Tomaten, Oliven, Brot und Ensaimada bis hin zum Kräuterschnaps radelten wir die letzten 10 Kilometer zur Finca zurück.
Die Königsetappe von 70 km am folgenden Tag liess ich aus. Gut erholt nahm ich dann am 5. Tag die Etappe zusammen mit den drei Deutschen in Angriff. Wir vier verstanden uns unterdessen grossartig und ergänzten uns prima. Wurde ich doch stets bergauf von der leichtgewichtigen Buchhalterin Uschi überholt, als wäre sie mit einem E-Bike unterwegs. Bergab konnte ich dann trumpfen und sie alle wieder einholen. Dass Monika uns heute begleitete, war natürlich noch das Tüpfelchen auf dem i. Bei einem ersten Halt auf der Aloe-Vera-Farm durften wir uns mit einem Aloe-Vera-Drink stärken und lernten dabei einige interessante Fakts zu dieser Pflanze. A
uf wunderschönen Landstrassen fuhren wir danach ins hotelfreie Küstendorf Son Serra de Marina zur „El Sol Sunshine Bar“. Nach dem leckeren Mittagessen direkt am Strand, kam uns der 15 km lange Heimweg endlos vor. Dies lag wohl auch daran, dass wir durch den schattigen Pinienwald allerlei Tieren begegneten. Die jungen schwarzen Schweinchen mussten natürlich bildlich festgehalten werden. Zudem wollten wir noch ein ausgebüxtes Geisslein zurück zur Herde treiben. Das komplett verängstigte Jungtier wollte sich aber leider nicht helfen lassen.

 
Eine abwechslungsreiche Fahrt zum Dörfchen Sant Llorenç des Cardassar rundete schliesslich eine unvergessliche Radwoche ab. Ich weiss nicht, an wievielen Pflanzen- und Tierarten wir auf der 6. Etappe vorbeikamen. Von Artischockenfeldern bis zu Zitronenbäumen haben wir alles gesehen. Auf dem Rückweg fuhren wir über den neu erstellten Via Verde. Ein 28 km langer Rad- und Wanderweg, der eigentlich als Trasse für die Eisenbahn vorgesehen war.

Nach 6 Etappen mit knapp 200 km in den Pedalen (ich weiss, andere schaffen dies in einem Tag) und vielen lustigen Stunden auf dem Rad, war diese Woche genau das Richtige für mich. 

 

Mittwoch, 1. April 2015

Sie haben es wieder getan!

Markus und Reto haben dieses Jahr wiederum am Cape Epic Bikerennen teilgenommen. Während 8 Tagen haben sie gemeinsam 739 km und 16'000 Höhenmeter bewältigt. Dank ausgezeichneter Trainingsvorbereitung und Begleitung ihrer Freunde Andy und Wäle am Event selber, konnten sie das Rennen viel mehr geniessen, als noch vor zwei Jahren. In 47:14.52 Stunden sind sie auf den hervorragenden
 
13. Rang in der Kategorie Grand Masters (von 49 gestarteten Teams haben 38 gefinisht)
 
respektive
 
208. Rang im Gesamtklassement (von 610 gestarteten Teams haben 510 gefinisht)
 
gefahren. Da schmeckt nicht nur der Sieges-Champagner ausgezeichnet...
 
 
 
...auch die Sportwelt gratuliert zu dieser Top-Leistung!
 

Dienstag, 27. Januar 2015

Eine schrecklich sportliche Familie

 
Markus ist voll auf Kurs und bereits jetzt schon gut vorbereitet für den bevorstehenden Cape Epic. So oft es geht, schwingt er sich auf sein Bike. Egal ob's stürmt oder schneit. Natürlich vorzugsweise bei wärmeren Temperaturen. Darum geht's demnächst mit Bike-Partner Reto in die Rennvelo-Trainingsferien nach Fuerteventura.
 
Julian hat in Hong Kong seinen ersten 10 km Lauf bestritten und dies gleich in einer beachtlichen Zeit von 00:53:15 h. Gotti Susanne schlägt er somit im zarten Alter von 28 Jahren bereits um Welten.
 
Wobei auch von Susanne in nächster Zeit wieder bessere Laufzeiten zu erwarten sind. Immerhin hat sie letzte Woche auf Lanzarote mit Albis Reisen einige Kilometer abgespult.

Sonntag, 9. November 2014

Castle Run in der Vollmondnacht


Was im ersten Moment wie eine gruselige Jagd auf einen Schlossgeist klingen mag, ist im Grunde genommen ein sympathischer, aber dennoch anspruchsvoller Trainingslauf rund ums Schloss Uster.
Bereits zum zweiten Mal organisierten die Sport Coaches der Freizeitsportler.ch den Castle Run. Auf einer Runde von knapp einem Kilometer beginnt es zuerst bei fast schon romantischem Fackellicht bergab, bevor es dann eine gnadenlos, nicht enden wollende Treppe von 69 Stufen zum Schloss hinauf zu bewältigen gibt. Während 45 Minuten läuft jeder so viele Runden, wie er mag und wird am Schluss mit Glühwein oder Punsch und Kuchen belohnt. Eine Rangliste gibt es nicht, der Sieger darf sich aber "Castle Run Uster Champion 2014" nennen.
 
Von diesem Titel sind Markus und ich natürlich weit entfernt. Nach 5 Runden gab ich buchstäblich den Geist auf, Markus lief noch eine Runde mehr. Insgesamt bewältigten die 25 Teilnehmer 169 Runden, 3 davon sage und schreibe 9 Runden. Beim gemütlichen Beisammensein am Lagerfeuer bei der Ausgabe der Köstlichkeiten liess ich dann aber keine Runde aus.
 
Ein herzliches Dankeschön an die Organisatoren der Freizeitsportler.ch und Alex Lörtscher für die gelungenen Schnappschüsse.
 

Freitag, 31. Oktober 2014

Wenig gemeinsam

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Kann man im untenstehenden Bericht die beiden Brücken noch als "same same, but different" bezeichnen, so haben meine im Oktober gelaufenen Halbmarathons doch eher wenig gemeinsam. Ersterer um den Hallwilersee sind Giselle, Marisa und ich bei eher kühleren Temperaturen im gemütlichen Trainingstempo gelaufen. Eine Woche später in Palma de Mallorca ging's dann bei Temperaturen von über 30 Grad schon eher hitziger zu und her.  Da mussten Delia, Monika, Markus und ich im Ziel einfach ein paar Freudensprünge machen. Spass gemacht haben beide Läufe. Für Markus war es die erste sportliche Herausforderung in Joggingschuhen seit November 2012.

Freitag, 24. Oktober 2014

Same same, but different...

Markus am Swiss Epic im Wallis
Heinz auf Trekkingtour in Nepal


















... pflegen Thailänder zu sagen, wenn sie in einer Sache keinen grossen Unterschied sehen.
Besser bekannt ist bei uns in der Schweiz: "das isch doch Hans wie Heiri!"

Genauso wie die beiden Fotos, die innerhalb von 3 Wochen entstanden sind!
 


Sonntag, 21. September 2014

Markus mit Reto am Swiss Epic














Markus und Reto haben vom 14.-20. September 2014  am 5-Etappen-Bike-Rennen Swiss Epic im Wallis teilgenommen. Wie schon am Cape Epic in Südafrika sind die beiden im 2er-Team während mehreren Tagen anspruchsvolle Etappen gefahren. Mit Start in Verbier über Leukerbad nach Grächen und Zermatt sind Markus und Reto von Freund Andy bestens betreut und bei der atemberaubenden Zieleinfahrt mit Blick aufs Matterhorn von einem riesigen Fan-Club empfangen worden. Dass dieser Anlass kein Zuckerschlecken ist und viel Training erfordert, beweist auch der nachstehende Zeitungsbericht aus der NZZ vom 22.09.2014. Von unserer Seite daher einfach ein paar Bilder zum Geniessen.
 
Das Swiss Epic ist als Etappenrennen für Mountainbiker ein Novum und ein Erfolg

Die Schweiz ist unbestritten eine führende Mountainbike-Nation: immer wieder Athletinnen und Athleten der Extraklasse in der einzigen olympischen Disziplin Cross-Country, eine der besten nationalen Rennserien, hochwertige Hersteller, spektakuläre Gebiete. Und als Weltcup-Veranstalter hinkt die Schweiz nicht mehr länger hinterher. Lenzerheide figuriert in den nächsten drei Jahren im Kalender und veranstaltet 2018 die Weltmeisterschaften.

Eine andere Lücke ist mit dem Swiss Epic geschlossen worden. Zwar gab es von 1993 bis 1995 mit der Swiss Bike Tour ein pionierhaftes Pendant zur Tour de Suisse der Strassenprofis. Doch ein Etappenrennen für Berufs- und ambitionierte Hobbyfahrer ist hierzulande ein Novum. Die Premiere des Swiss Epic entpuppte sich als Erfolg auf der ganzen Linie. Der sechstägige Event in den vier Walliser Stationen Verbier, Leukerbad, Grächen und Zermatt kam organisatorisch daher, als gäbe es ihn schon seit Jahren. Die Vision der Gründer Joko Vogel, Dany Gehrig und Thomas Frischknecht, eine sportliche Erlebnisreise durch atemraubend schöne Landschaften zu bieten, wurde auch dank Wetterglück Wirklichkeit. Das Swiss Epic war ein Mountainbike-Abenteuer wie aus dem Prospekt – nur härter. Die 400 Kilometer und 15 000 Höhenmeter empfand selbst Nino Schurter als grosse Herausforderung. Für einzelne Anstiege benötigten der Olympia-Zweite und seine Berufskollegen anderthalb Stunden – so lange dauert im Cross-Country ein ganzes Rennen. Einigen der insgesamt 300 Zweierteams wurden neben den konditionellen auch die technischen Grenzen aufgezeigt. «Wir müssen über die Bücher», sagt Mountainbike-Pionier Frischknecht, der mit seinem Sohn Andri teilnahm. «Für Hobbyfahrer ist der Parcours am oberen Limit.» So oder so hat das Swiss Epic das Potenzial, im Verdrängungsmarkt der Ausdauersportanlässe zu einem Klassiker à la Jungfrau-Marathon zu werden oder zumindest langfristig zu bestehen. Die Veranstalter und der Titelsponsor haben vorerst ein Bekenntnis für drei Jahre abgegeben.
 
 
Durch einen Klick auf die Bilder werden diese in Originalgrösse angezeigt!

Montag, 15. September 2014

Mit den Alpinrunner am Médoc Marathon


 
Da Markus sich schon letzten Herbst zusammen mit Reto für den Swiss Epic angemeldet hatte, musste ich mir auch ein Jahres-Highlight aussuchen. Als dann die Alpinrunner im Dezember mit der Idee aufkamen, am Marathon du Médoc teilzunehmen, entschied ich mich, denen anzuschliessen.
 
Wegen der grossen Nachfrage an Startplätzen, bekommt man Startnummern praktisch nur über einen Reiseveranstalter. Die Alpinrunner überliessen die Organisation Albis Reisen und so war es kein Problem, einen Startplatz dafür zu erlangen. Im Vorfeld mussten wir einzig ein ärztliches Attest vorlegen (weil dies in Frankreich so üblich ist) und uns ein originelles und dennoch lauftaugliches Kostüm ausdenken. Beim 30. Médoc-Marathon war das Thema „Les Pays du Monde et leurs Carnavals. Dem Vorschlag meiner Bündner Laufkollegen, in einem „Steinbock-Kostüm“ teilzunehmen, passte ich mich natürlich gerne an.
 
Am 11. September 2014 war es dann endlich so weit. Gemeinsam reisten wir mit dem Flugzeug ab Basel nach Bordeaux, wo wir auch gleich mitten in der Stadt in einem Hotel logierten. Da Christof, unser Guide, die Startunterlagen inkl. Finisher-Shirt bereits ins Hotel schicken liess, konnten wir uns am Freitagmorgen nach dem Frühstück voll auf einen Städtebummel im Doppelstöckerbus konzentrieren. Wir alle waren sofort von der schönen Stadt an der Garonne begeistert. Auch das Wetter meinte es gut mit uns. Sich an Temperaturen von über 25 Grad und strahlend blauem Himmel zu gewöhnen, fiel uns nach dem miesen Sommer in der Schweiz nicht schwer. 
Am Abend beim gemeinsamen Nachtessen wurden die verschiedensten Laufstrategien ausgedacht, fröhlich gelacht, geplaudert und alle waren gespannt auf den morgigen Tag. Die Laufzeit würde bei allen Nebensache sein, Genuss würde im Vordergrund stehen. Am weltweit bekanntesten und originellsten Langstreckenlauf werden über 50 Nationen starten, davon gemäss Marathon-Broschüre 138 Schweizer. Von den 10'000 Startenden kommen die meisten Läufer logischerweise aus Frankreich, gefolgt von England, Deutschland und erstaunlicherweise 449 aus Japan.
 
Am Samstagmorgen um 6:30 Uhr wurde unsere Gruppe in Steinbock-Montur per Bus ins etwa 50 km nördlich von Bordeaux gelegene Paulliac zum Startgelände gebracht. Was da schon vor dem Startschuss für eine Stimmung abging, ist einfach unbeschreiblich.
An der Promenade von Pauillac versammelte sich eine sehr phantasievoll kostümierte Läuferschar. Von Kimonos über knapp bekleidete hawaiianische Baströckchen und Blumenketten, Clown-Outfits, bayrischen Lederhosen oder Sträflingskostümen schienen die Verkleidungsideen unbegrenzt. Da waren viele männliche Teilnehmer in aufreizenden Tutus oder bunten Perücken und natürlich unser 16-köpfiges (resp. 96-beiniges) Steinbock-Rudel. Weil unsere Kostümwahl so einzigartig und sympathisch war, wurden wir auch von vielen Fremden zum begehrten Foto-Sujet gewählt. Die etwa 5% normal bekleideten Sportler wirkten hier fast schon etwas exotisch.
Nach dem gemeinsamen französischen Count-Down von 10 bis 0 wurden wir schliesslich von Samba-Rhythmen und tosendem Applaus begleitet auf die Strecke geschickt. Diese führte hauptsächlich durch unendlich weit reichende Weinfelder und diverse kleine Dörfer, wo immer stimmungsvolle Musikbands zusätzlich für viel Unterhaltung sorgten. Höhepunkte waren die 22 angelaufenen Châteaus, Anwesen mit riesigen Parks, wo überall Wein zum Degustieren ausgeschenkt wurde, wohlverstanden in Weingläsern und nicht etwa in billigen Plastikbechern! Wasser gab’s reichlich in PET-Fläschchen mit Verschluss. Dies war sehr angenehm, denn so konnte man es nach dem Halt mitnehmen, hatte immer Wasser zur Hand und konnte unterwegs nach Bedarf trinken oder so wie ich, den nicht getrunkenen Inhalt über den erhitzten Kopf giessen.
Zusätzlich zu den Châteaus gab es sportlergerechte Verpflegungsstellen mit Wasser, isotonischen Getränken, Cola, Riegeln, Früchten und Kuchen und anderen Köstlichkeiten. Ab km 37 wurden sogar, Austern, Entrecotes, Champagner oder Glacé aufgetischt.
Schon vor km 3 hätte man ein kleines Frühstück mit Croissants und Orangensaft zu sich nehmen können. Nicht dass unsere Steinböcke menschenscheu wären, aber wir wollten zuerst mal ein paar Kilometer gut machen und aus der wandelnden Menschenmasse entfliehen. So liessen wir diesen Posten aus.
Beim dritten Château Phélan Ségur nach etwa 7 km sah ich aber doch tatsächlich meine Churer Laufkameraden schon beim feuchtfröhlichen Anstossen und Wein degustieren. Ich zog weiter, da ich ohnehin mit dem flotten Lauftempo der Alpinrunner nicht mithalten konnte. Ein paar Kilometer später kamen diese denn auch schon wieder von hinten angerannt. Das war witzig, so konnte ich mein Tempo laufen und war trotzdem immer bei den Leuten. Unsere Steinböcke wurden zwar vielfach als Ziege wahrgenommen, sie aber waren fast schon kleine Stars. Immer wieder bekamen wir aufmunternde Sprüche zugerufen: „Allez la chèvre! Bon courage!“
 
Irgendwann verlor ich die Gruppe aus den Augen, da auch ich überall ein bisschen stehen blieb, mich verköstigte und viele Fotos knipste und dem bunten Treiben zuschaute. Obschon der Médoc-Marathon halt doch auch 42.195 lange Kilometer dauert, habe ich noch nie an so einem kurzweiligen Lauf teilgenommen. Mein pelziger Begleiter um den Bauch und die heisse Sonne machten mir zeitweise etwas zu schaffen. Aber dafür gab’s ja genügend Verpflegungsstände zur Abkühlung. Noch nie war mir ein Glacé so willkommen, wie jenes bei Kilometer 40.
 
Wie alle von unserer Gruppe überschritt auch ich irgendwann überglücklich innerhalb des vorgegebenen Zeitlimits den 100 Meter langen roten Teppich und die Ziellinie. Diese Zeitvorgabe wurde später infolge heisser Temperaturen noch eine halbe Stunde verlängert.
Trotz der besonderen Bedingungen waren im Vergleich zu einem normalen Marathon wenige Ausfälle oder gar kollabierenden Läufer zu sehen. Betrunkene Teilnehmer oder Glasscherben, wie man dies von einem fasnachtsähnlichen Lauf erwarten könnte, sah man nirgends. Ich bin begeistert von der super Organisation. Meine Erwartungen wurden weit übertroffen. Diesen kultigen Marathon muss man als Läufer einfach einmal erlebt haben.

Sonntag, 18. Mai 2014

Ein Halbmarathon im Paradies

Formentera ist die kleinste und für viele Besucher zugleich die schönste Insel der Balearen. Ein Badeparadies, mit dem klarsten Wasser des Mittelmeers. Auch abseits von Strand und Meer gibt es einiges zu entdecken und just zurzeit, in welcher wir unsere Ferien dorthin gebucht hatten, würde zufälligerweise auch der Halbmarathon "Mitja Marato de Formentera" stattfinden. Das passte doch prima und unmittelbar nach der Flugbuchung meldete ich mich dort an.

Eigentlich ist unser Blog ja für Erzählungen von Sporterlebnissen gedacht, und nicht um über unsere (zum Glück wenigen) Gebrechen zu klagen.
Doch einen Monat vor Reisebeginn erkrankte Markus an hohem Fieber verursacht durch einem Leberabszess. Es folgten 10 Tage Spitalaufenthalt mit Leberpunktion und unzähligen Untersuchen. Erst wenige Tage vor dem geplanten Abflug, bekamen wir die Bestätigung, dass Markus (mit Antibiotika im Koffer) reisen darf. Daneben wurden Ruhe und Erholung verschrieben. So kam die Reise ans Mittelmeer wohl gerade richtig.

Mit einer Ausdehnung von 82 Quadratkilometern bietet sich Formentera förmlich dazu an, die Insel zu Fuss oder mit dem Rad zu erkunden. Ideal dafür sind die sogenannten "Rutas Verdes". So haben wir ab dem zweiten Tag ein Velo gemietet und gemütlich verborgene Strände und die schönsten Plätze der Insel erkundet. Weil der Halbmarathon auf der einzigen Hauptstrasse der Insel stattfinden würde, haben wir auch diese Strecke rekognosziert. Allerdings war nun aber auch mein Start sehr fraglich, weil ich infolge des Fersensporns seit 7 Wochen keinen einzigen Lauf-Kilometer mehr trainiert hatte und mir nach wie vor jeder Schritt unangenehme Schmerzen bereitete. Je länger je mehr ich jedoch diese reizvolle Gegend kennenlernte, desto klarer wurde mir, dass ich an dem Lauf teilnehmen möchte. Zur Not halt mit entzündungshemmenden Mitteln.
Am Freitag fuhren wir mit dem Velo ins 15 km entfernte La Savina und holten die Startunterlagen ab. Schon dort waren wir von der Organisation begeistert. Im Startgeld von 25 Euro sind Startnummer, Zeitmess-Chip, ein funktionelles Finisher-Leibchen und der Transport (vom Hotel zum Start und vom Ziel zurück ins Hotel) inbegriffen. Auch hier zeigt sich Formentera von einer äusserst umweltbewussten Seite. Wäre ja nicht auszudenken, wenn all die 1400 Teilnehmer mit dem Auto zum Start fahren würden. Mit dieser Teilnehmerzahl war der Lauf schon seit Wochen ausgebucht und war bei Hotelangestellten und Einheimischen das Hauptthema. Noch ein Grund mehr, um auf die Zähne zu beissen.
Der Start war für 17:30 Uhr vorgesehen. Genügend Zeit, um noch an der Platja  de Migjorn die Seele baumeln zu lassen und die warmen Sonnenstrahlen und ein Bad im Meer zu geniessen. Maria von unserem Lieblings-Strandbeizli La Franja kochte mir eine frisch zubereitete Tortilla Española (mit viel Kartoffeln drin für schnelle Beine), obwohl Tortilla gar nicht auf ihrer Speisekarte stand. Dass es verrückte Leute (gente loca) gibt, die über die Insel rennen, weiss sie von ihrem Schwiegersohn Vicente, der ebenfalls fleissig im Familienbetrieb mithilft.
45 Minuten vor Laufbeginn bestiegen Vicente, José Antonio (der sympathische Receptionist von unserem Hotel), Lola aus Madrid und ich den Bus zum Leuchtturm von La Mola. Mit einer Meereshöhe von 192 m über Meer befindet sich das Startgelände auch gleich auf dem höchsten Punkt der Insel. Durch meine neu gewonnenen Lauffreunde kam ich sofort in Kontakt mit anderen Läufern. Es ist zu erwähnen, dass bei Laufveranstaltungen in Spanien immer eine ausgelassene und fröhliche Stimmung und ein "Riesengeschnurr" herrscht. Ich weiss gar nicht, was die einander vor und während des Laufes immer zu erzählen haben! Witzig ist es alleweil und genau diese ungezwungene Atmosphäre unter südländischer Sonne und frischer Meeresluft liessen mich all meine Zipperlein vergessen.
Spätestens bei Kilometer 3 im Dörfchen Es Pilar, wo der Glöckner eigenhändig am Seil zog und die Kirchenglocke solange bimmeln liess, bis jeder einzelne Läufer am Dorf vorbei gerannt war, wusste ich, dass sich das Mitmachen gelohnt hat. Wo auf der Welt wird einem sonst so etwas geboten? Bei km 5 erfolgte ein atemberaubender Getränkeposten mit Meeresblick. Da schlug das sonst schon stark pulsierende Läuferherz noch höher.  
Bis km 7 ging es angenehm bergab bis zum Dörfchen Es Caló, wo sich auch ganz in der Nähe unser Hotel befand. Aber was für einen Klang hörte ich da von weitem schon? Sind das Kuhglocken oder macht mich der Entzündungshemmer tatsächlich „loca“?
Da standen Hotelangestellte und -gäste mit Paella-Pfannen-Deckel und Löffeln und machten mächtig Lärm, um die Läufer anzufeuern. Was für eine grossartige Stimmung!
Bei km 10 konnte man sich am zweiten von vier Getränkeposten mit Wasser, Isostar, Cola, Bananen und Orangen verpflegen. Von da an ging es bis km 14 stetig aufwärts. Aber das einmalige Ambiente liess mich durch die Strassen fliegen. Immer wieder viele Zuschauer, die lauthals eine Riesenstimmung verbreiteten. Die letzten Kilometer nach dem Feriendörfchen Es Pujols verliefen entlang den Salinen, die mittlerweile wegen ihres Reichtums an Tier- und Pflanzenarten unter Naturschutz stehen.
Nach 2:17 h lief durchlief ich am Hafen von La Savina zwischen applaudierenden Zuschauerreihen das Zieltor und durfte voller Freude die Finishermedaille entgegennehmen.  Einmal mehr ein Lauf, bei dem mir die Zeit nebensächlich ist. Ein Lauf, der zur Insel passt, welche man zu Recht „das letzte Paradies im Mittelmeer“ nennt. Das Schönste an allem ist, dass Markus zum Erstaunen der Aerzte innerhalb nur 8 Tagen komplett genesen und die Antibiotika absetzen konnte.
 

Dienstag, 1. April 2014

Nicht so rasch aufgeben an der WM

 
Im letzten Oktober habe ich in einer Laufzeitschrift gelesen, dass anlässlich der Halbmarathon Weltmeisterschaft in Kopenhagen nebst 300 Eliteläufern noch 25'000 Startplätze für Amateurläufer vergeben würden. Davon waren 20'000 Startnummern für dänische Teilnehmer innerhalb von zwei Tagen ausverkauft. Die restlichen 5'000 Plätze standen danach noch internationalen Athleten zur Verfügung.
Warum nicht mal wieder einen Städtetrip planen und einmal an einer WM „unter ferner liefen“ teilnehmen? Ich meldete mich sogleich an, obwohl ich zum Zeitpunkt der Anmeldung mehr schlecht als recht vorbereitet war. Leider holte ich meine Form auch bis zum Lauftag hin nicht mehr ein. Zudem hatte sich bei mir kurz vor dem grossen Tag noch ein schmerzhafter Fersensporn bemerkbar gemacht. Der Bummel durch die wunderschöne Hauptstadt am Vortag und die leckeren mit Fisch belegten Smørrebrøds gehörten auch nicht unbedingt zu einer optimalen Laufvorbereitung.
Nichtsdestotrotz stand ich am 29. März zusammen mit Laufkollege Urs an der Startlinie. Rund eine halbe Stunde nachdem Kronprinz Frederik mit Pistolenschuss die Elite auf die Strecke schickte, waren wir an der Reihe. Im Gegensatz zu uns Schweizern hatte der dänische Thronfolger wohl die kürzeste Anreise hinter sich, erfolgten Start und Ziel doch am Schloss Christiansborg. Der mit Prinzessin Mary verheiratete Frederik ist seit 2009 Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees.
Die flache Route führte auf breiten Stassen durch Kopenhagen‘s Innenstadt vorbei an malerischen Kanälen, dem Rathausplatz und dem Vergnügungspark Tivoli. Beide Strassenseiten waren von tausenden Zuschauern umsäumt. Unter ihnen auch (mein Prinz) Markus, der mich wie immer mit Schweizer Flagge und Fotoapparat ausgerüstet, anfeuerte. Unterwegs gab es über 20 Musikbands, die von rockig dänisch bis hin zum „We are the champions“ alles spielten. Und immer wieder aufmunternde Zurufe von einem Publikum mit vielen rot-weissen dänischen Fähnchen. Der Halbmarathon wurde in dieser Form explizit nur für diese Weltmeisterschaft ausgetragen, ein zweites Mal wird es ihn voraussichtlich nicht geben, da in Kopenhagen jedes Jahr im Mai bereits ein Marathon stattfindet.
Wären Wetter, Stimmung und Strecke nicht so einmalig gewesen, hätte ich den Lauf wohl abgebrochen. Zu sehr schmerzte mich die Ferse am linken Fuss. Aber ich lief tapfer weiter. Vielleicht ist ja das „nicht-so-rasch-aufgeben“ doch eine Eigenschaft, die es für eine Teilnahme an einer Weltmeisterschaft braucht, auch wenn ich diesen Lauf mit einer Zeit von 2:20:30 h nicht besonders glorreich beendete.