Freitag, 12. Juni 2015

Mit "Rad & Finca" auf Mallorca

Im Winter erzählte mir meine Freundin Monika, dass man über www.radunfinca-mallorca.com gemütliche Radtouren mit Uebernachtung bei ihnen auf der Finca Son Canals buchen kann.

Die Touren sind leicht und auch für nicht so geübte Radler zu bewältigen…

…ist auf der Homepage von www.radunfinca-mallorca.com zu lesen. Das wäre doch genau das Richtige für mich, bin ich doch momentan nicht so fit im Laufsport und auch schon mehrere Jahre nicht mehr mit dem Rennrad gefahren. Die 6 Etappen von 12 bis 70 km sollte ich schaffen und sonst könnte ich auch mal eine auslassen, da man auf der sogenannten Sternfahrt immer am gleichen Ort übernachtet. So hätte ich zwei Fliegen auf einen Streich. Könnte mich einerseits etwas sportlich betätigen und gleichzeitig unsere Freunde in Mallorca besuchen.
Unmittelbar nach der Buchung wurden mir detaillierte Routenpläne mit Kilometer-Angaben per Post zugestellt. Da kamen jedoch schon mal die ersten Zweifel auf: “Muss ich denn da alleine Rad fahren und die Strecke jeweils suchen?” Radferien kenne ich sonst nur mit einem Guide, der vorausfährt und man einfach in die Pedalen tritt und diesem folgt.
 
„Du bestimmst dein Tempo, deine Pausen, da all unsere Touren individuell und nicht geführt sind. Es besteht kein Gruppenzwang! Erfahrungsgemäss ist es aber so, dass sich eine Gruppe bildet und alle gemeinsam fahren. In der Woche sind noch weitere 5 Personen auf Son Canals. Alle fahren die gleichen Touren. Die Streckenbeschreibung ist eine  Orientierungshilfe, zusätzlich sind unsere Strecken auch mit eigenen Pfeilen an Strassenschildern ausgeklebt.“ wurde ich von Rad & Finca aufgeklärt.

Da war ich ja mal gespannt, ob ich Anschluss zu einer Gruppe finden würde, zumal ich auch erst einen Tag später anreiste. Kurz nach Ankunft auf der Finca, stellte mich Monika gleich den anderen Teilnehmern vor. Claudine und Thomas aus der Schweiz, Claus-Peter und Uschi mit ihrem 34-jährigen „Kind“ Steffi aus dem deutschen Erfurt. Sie alle sind am Tag bereits die 1. Etappe gefahren und tatsächlich machten wir gleich ab, dass ich ab morgen gemeinsam mit den drei Deutschen fahren würde. Nach dem Nachtessen wurde ich von Uli und Stefan, den Machern von „Rad & Finca“, herzlich begrüsst und die Etappen wurden nochmals besprochen. Das auf meine Grösse vorbestellte 21-Gang-Trekkingrad passte bestens. Zur Ausrüstung gehörten ein Nummernschloss, eine praktische Seitentasche und eine Lenkradtasche, in welcher man das Kartenmaterial gut sichtbar verstauen kann.

Am 1. Tag brauchte ich allerdings noch keine Streckenkarte. Nach dem reichhaltigen Frühstück ging es vorerst nur zum Bahnhof von Petra, wo wir unsere Räder hinstellten und mit dem Zug nach Palma fuhren. Dort erwartete uns ein geführter Stadtrundgang. Obwohl ich Palma schon so oft besucht hatte, erfuhr ich von dem Reiseleiter viele interessante Neuigkeiten über die Stadt Palma und Mallorca. Natürlich blieb auch genügend Zeit, um durch die vielen Gassen zu flanieren, sich beim Shopping zu verweilen oder um sich in einem der hübschen Strassencafés zu vergnügen.
Ab Dienstag waren die Etappen dann schon etwas länger. Rundfahrten zwischen 36 und 70 km waren auf dem Programm, aber immer mit abwechslungsreichen Zwischenstopps, die sich die Rad-und-Finca-Organisatoren mit viel Fingerspitzengefühl ausgesucht hatten. Alles war perfekt organisiert und im Pauschalpreis inbegriffen.

Am 2. Tag fuhren wir zuerst auf verkehrsarmen Nebenstrassen zu einem Restaurant mit typisch mallorquinischem „Pa amb Oli“ (Brot und Olivenöl), bevor es dann vorbei an Mandel- und Olivenbäumen nach Santa Maria del Camí weiterging. Dort war für uns am späteren Nachmittag eine Besichtigung mit Degustation auf dem Weingut Macia Batle reserviert. Damit wir den Wein auch geniessen konnten, wurden wir von „Rad& Finca“ samt Räder abgeholt und mit dem Transporter zurück zur Finca gebracht. Obwohl es den edlen Rebensaft aus Binissalem nicht literweise gab, lockerte es schon ein bisschen unsere Stimmung. Am Abend beim gemeinsamen Nachtessen wurde viel gelacht und bei einem Art „heiteren Berufsraten“ lernten wir uns auch schon besser kennen.

Ein weiteres Highlight erfolgte am 3. Tag. Nach einem Besuch auf dem Markt in Sineu landeten wir zum Mittagessen im Dörfchen Maria de la Salut in einer landesüblichen Metzgerei. Mit viel Herzlichkeit wurde von dem familiären Betrieb grosszügig alles aufgetischt, was die mallorquinische Küche zu bieten hat. Gestärkt mit Sobrasada, Käse, Tomaten, Oliven, Brot und Ensaimada bis hin zum Kräuterschnaps radelten wir die letzten 10 Kilometer zur Finca zurück.
Die Königsetappe von 70 km am folgenden Tag liess ich aus. Gut erholt nahm ich dann am 5. Tag die Etappe zusammen mit den drei Deutschen in Angriff. Wir vier verstanden uns unterdessen grossartig und ergänzten uns prima. Wurde ich doch stets bergauf von der leichtgewichtigen Buchhalterin Uschi überholt, als wäre sie mit einem E-Bike unterwegs. Bergab konnte ich dann trumpfen und sie alle wieder einholen. Dass Monika uns heute begleitete, war natürlich noch das Tüpfelchen auf dem i. Bei einem ersten Halt auf der Aloe-Vera-Farm durften wir uns mit einem Aloe-Vera-Drink stärken und lernten dabei einige interessante Fakts zu dieser Pflanze. A
uf wunderschönen Landstrassen fuhren wir danach ins hotelfreie Küstendorf Son Serra de Marina zur „El Sol Sunshine Bar“. Nach dem leckeren Mittagessen direkt am Strand, kam uns der 15 km lange Heimweg endlos vor. Dies lag wohl auch daran, dass wir durch den schattigen Pinienwald allerlei Tieren begegneten. Die jungen schwarzen Schweinchen mussten natürlich bildlich festgehalten werden. Zudem wollten wir noch ein ausgebüxtes Geisslein zurück zur Herde treiben. Das komplett verängstigte Jungtier wollte sich aber leider nicht helfen lassen.

 
Eine abwechslungsreiche Fahrt zum Dörfchen Sant Llorenç des Cardassar rundete schliesslich eine unvergessliche Radwoche ab. Ich weiss nicht, an wievielen Pflanzen- und Tierarten wir auf der 6. Etappe vorbeikamen. Von Artischockenfeldern bis zu Zitronenbäumen haben wir alles gesehen. Auf dem Rückweg fuhren wir über den neu erstellten Via Verde. Ein 28 km langer Rad- und Wanderweg, der eigentlich als Trasse für die Eisenbahn vorgesehen war.

Nach 6 Etappen mit knapp 200 km in den Pedalen (ich weiss, andere schaffen dies in einem Tag) und vielen lustigen Stunden auf dem Rad, war diese Woche genau das Richtige für mich.