Sonntag, 21. September 2014

Markus mit Reto am Swiss Epic














Markus und Reto haben vom 14.-20. September 2014  am 5-Etappen-Bike-Rennen Swiss Epic im Wallis teilgenommen. Wie schon am Cape Epic in Südafrika sind die beiden im 2er-Team während mehreren Tagen anspruchsvolle Etappen gefahren. Mit Start in Verbier über Leukerbad nach Grächen und Zermatt sind Markus und Reto von Freund Andy bestens betreut und bei der atemberaubenden Zieleinfahrt mit Blick aufs Matterhorn von einem riesigen Fan-Club empfangen worden. Dass dieser Anlass kein Zuckerschlecken ist und viel Training erfordert, beweist auch der nachstehende Zeitungsbericht aus der NZZ vom 22.09.2014. Von unserer Seite daher einfach ein paar Bilder zum Geniessen.
 
Das Swiss Epic ist als Etappenrennen für Mountainbiker ein Novum und ein Erfolg

Die Schweiz ist unbestritten eine führende Mountainbike-Nation: immer wieder Athletinnen und Athleten der Extraklasse in der einzigen olympischen Disziplin Cross-Country, eine der besten nationalen Rennserien, hochwertige Hersteller, spektakuläre Gebiete. Und als Weltcup-Veranstalter hinkt die Schweiz nicht mehr länger hinterher. Lenzerheide figuriert in den nächsten drei Jahren im Kalender und veranstaltet 2018 die Weltmeisterschaften.

Eine andere Lücke ist mit dem Swiss Epic geschlossen worden. Zwar gab es von 1993 bis 1995 mit der Swiss Bike Tour ein pionierhaftes Pendant zur Tour de Suisse der Strassenprofis. Doch ein Etappenrennen für Berufs- und ambitionierte Hobbyfahrer ist hierzulande ein Novum. Die Premiere des Swiss Epic entpuppte sich als Erfolg auf der ganzen Linie. Der sechstägige Event in den vier Walliser Stationen Verbier, Leukerbad, Grächen und Zermatt kam organisatorisch daher, als gäbe es ihn schon seit Jahren. Die Vision der Gründer Joko Vogel, Dany Gehrig und Thomas Frischknecht, eine sportliche Erlebnisreise durch atemraubend schöne Landschaften zu bieten, wurde auch dank Wetterglück Wirklichkeit. Das Swiss Epic war ein Mountainbike-Abenteuer wie aus dem Prospekt – nur härter. Die 400 Kilometer und 15 000 Höhenmeter empfand selbst Nino Schurter als grosse Herausforderung. Für einzelne Anstiege benötigten der Olympia-Zweite und seine Berufskollegen anderthalb Stunden – so lange dauert im Cross-Country ein ganzes Rennen. Einigen der insgesamt 300 Zweierteams wurden neben den konditionellen auch die technischen Grenzen aufgezeigt. «Wir müssen über die Bücher», sagt Mountainbike-Pionier Frischknecht, der mit seinem Sohn Andri teilnahm. «Für Hobbyfahrer ist der Parcours am oberen Limit.» So oder so hat das Swiss Epic das Potenzial, im Verdrängungsmarkt der Ausdauersportanlässe zu einem Klassiker à la Jungfrau-Marathon zu werden oder zumindest langfristig zu bestehen. Die Veranstalter und der Titelsponsor haben vorerst ein Bekenntnis für drei Jahre abgegeben.
 
 
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Montag, 15. September 2014

Mit den Alpinrunner am Médoc Marathon


 
Da Markus sich schon letzten Herbst zusammen mit Reto für den Swiss Epic angemeldet hatte, musste ich mir auch ein Jahres-Highlight aussuchen. Als dann die Alpinrunner im Dezember mit der Idee aufkamen, am Marathon du Médoc teilzunehmen, entschied ich mich, denen anzuschliessen.
 
Wegen der grossen Nachfrage an Startplätzen, bekommt man Startnummern praktisch nur über einen Reiseveranstalter. Die Alpinrunner überliessen die Organisation Albis Reisen und so war es kein Problem, einen Startplatz dafür zu erlangen. Im Vorfeld mussten wir einzig ein ärztliches Attest vorlegen (weil dies in Frankreich so üblich ist) und uns ein originelles und dennoch lauftaugliches Kostüm ausdenken. Beim 30. Médoc-Marathon war das Thema „Les Pays du Monde et leurs Carnavals. Dem Vorschlag meiner Bündner Laufkollegen, in einem „Steinbock-Kostüm“ teilzunehmen, passte ich mich natürlich gerne an.
 
Am 11. September 2014 war es dann endlich so weit. Gemeinsam reisten wir mit dem Flugzeug ab Basel nach Bordeaux, wo wir auch gleich mitten in der Stadt in einem Hotel logierten. Da Christof, unser Guide, die Startunterlagen inkl. Finisher-Shirt bereits ins Hotel schicken liess, konnten wir uns am Freitagmorgen nach dem Frühstück voll auf einen Städtebummel im Doppelstöckerbus konzentrieren. Wir alle waren sofort von der schönen Stadt an der Garonne begeistert. Auch das Wetter meinte es gut mit uns. Sich an Temperaturen von über 25 Grad und strahlend blauem Himmel zu gewöhnen, fiel uns nach dem miesen Sommer in der Schweiz nicht schwer. 
Am Abend beim gemeinsamen Nachtessen wurden die verschiedensten Laufstrategien ausgedacht, fröhlich gelacht, geplaudert und alle waren gespannt auf den morgigen Tag. Die Laufzeit würde bei allen Nebensache sein, Genuss würde im Vordergrund stehen. Am weltweit bekanntesten und originellsten Langstreckenlauf werden über 50 Nationen starten, davon gemäss Marathon-Broschüre 138 Schweizer. Von den 10'000 Startenden kommen die meisten Läufer logischerweise aus Frankreich, gefolgt von England, Deutschland und erstaunlicherweise 449 aus Japan.
 
Am Samstagmorgen um 6:30 Uhr wurde unsere Gruppe in Steinbock-Montur per Bus ins etwa 50 km nördlich von Bordeaux gelegene Paulliac zum Startgelände gebracht. Was da schon vor dem Startschuss für eine Stimmung abging, ist einfach unbeschreiblich.
An der Promenade von Pauillac versammelte sich eine sehr phantasievoll kostümierte Läuferschar. Von Kimonos über knapp bekleidete hawaiianische Baströckchen und Blumenketten, Clown-Outfits, bayrischen Lederhosen oder Sträflingskostümen schienen die Verkleidungsideen unbegrenzt. Da waren viele männliche Teilnehmer in aufreizenden Tutus oder bunten Perücken und natürlich unser 16-köpfiges (resp. 96-beiniges) Steinbock-Rudel. Weil unsere Kostümwahl so einzigartig und sympathisch war, wurden wir auch von vielen Fremden zum begehrten Foto-Sujet gewählt. Die etwa 5% normal bekleideten Sportler wirkten hier fast schon etwas exotisch.
Nach dem gemeinsamen französischen Count-Down von 10 bis 0 wurden wir schliesslich von Samba-Rhythmen und tosendem Applaus begleitet auf die Strecke geschickt. Diese führte hauptsächlich durch unendlich weit reichende Weinfelder und diverse kleine Dörfer, wo immer stimmungsvolle Musikbands zusätzlich für viel Unterhaltung sorgten. Höhepunkte waren die 22 angelaufenen Châteaus, Anwesen mit riesigen Parks, wo überall Wein zum Degustieren ausgeschenkt wurde, wohlverstanden in Weingläsern und nicht etwa in billigen Plastikbechern! Wasser gab’s reichlich in PET-Fläschchen mit Verschluss. Dies war sehr angenehm, denn so konnte man es nach dem Halt mitnehmen, hatte immer Wasser zur Hand und konnte unterwegs nach Bedarf trinken oder so wie ich, den nicht getrunkenen Inhalt über den erhitzten Kopf giessen.
Zusätzlich zu den Châteaus gab es sportlergerechte Verpflegungsstellen mit Wasser, isotonischen Getränken, Cola, Riegeln, Früchten und Kuchen und anderen Köstlichkeiten. Ab km 37 wurden sogar, Austern, Entrecotes, Champagner oder Glacé aufgetischt.
Schon vor km 3 hätte man ein kleines Frühstück mit Croissants und Orangensaft zu sich nehmen können. Nicht dass unsere Steinböcke menschenscheu wären, aber wir wollten zuerst mal ein paar Kilometer gut machen und aus der wandelnden Menschenmasse entfliehen. So liessen wir diesen Posten aus.
Beim dritten Château Phélan Ségur nach etwa 7 km sah ich aber doch tatsächlich meine Churer Laufkameraden schon beim feuchtfröhlichen Anstossen und Wein degustieren. Ich zog weiter, da ich ohnehin mit dem flotten Lauftempo der Alpinrunner nicht mithalten konnte. Ein paar Kilometer später kamen diese denn auch schon wieder von hinten angerannt. Das war witzig, so konnte ich mein Tempo laufen und war trotzdem immer bei den Leuten. Unsere Steinböcke wurden zwar vielfach als Ziege wahrgenommen, sie aber waren fast schon kleine Stars. Immer wieder bekamen wir aufmunternde Sprüche zugerufen: „Allez la chèvre! Bon courage!“
 
Irgendwann verlor ich die Gruppe aus den Augen, da auch ich überall ein bisschen stehen blieb, mich verköstigte und viele Fotos knipste und dem bunten Treiben zuschaute. Obschon der Médoc-Marathon halt doch auch 42.195 lange Kilometer dauert, habe ich noch nie an so einem kurzweiligen Lauf teilgenommen. Mein pelziger Begleiter um den Bauch und die heisse Sonne machten mir zeitweise etwas zu schaffen. Aber dafür gab’s ja genügend Verpflegungsstände zur Abkühlung. Noch nie war mir ein Glacé so willkommen, wie jenes bei Kilometer 40.
 
Wie alle von unserer Gruppe überschritt auch ich irgendwann überglücklich innerhalb des vorgegebenen Zeitlimits den 100 Meter langen roten Teppich und die Ziellinie. Diese Zeitvorgabe wurde später infolge heisser Temperaturen noch eine halbe Stunde verlängert.
Trotz der besonderen Bedingungen waren im Vergleich zu einem normalen Marathon wenige Ausfälle oder gar kollabierenden Läufer zu sehen. Betrunkene Teilnehmer oder Glasscherben, wie man dies von einem fasnachtsähnlichen Lauf erwarten könnte, sah man nirgends. Ich bin begeistert von der super Organisation. Meine Erwartungen wurden weit übertroffen. Diesen kultigen Marathon muss man als Läufer einfach einmal erlebt haben.