Dienstag, 1. April 2014

Nicht so rasch aufgeben an der WM

 
Im letzten Oktober habe ich in einer Laufzeitschrift gelesen, dass anlässlich der Halbmarathon Weltmeisterschaft in Kopenhagen nebst 300 Eliteläufern noch 25'000 Startplätze für Amateurläufer vergeben würden. Davon waren 20'000 Startnummern für dänische Teilnehmer innerhalb von zwei Tagen ausverkauft. Die restlichen 5'000 Plätze standen danach noch internationalen Athleten zur Verfügung.
Warum nicht mal wieder einen Städtetrip planen und einmal an einer WM „unter ferner liefen“ teilnehmen? Ich meldete mich sogleich an, obwohl ich zum Zeitpunkt der Anmeldung mehr schlecht als recht vorbereitet war. Leider holte ich meine Form auch bis zum Lauftag hin nicht mehr ein. Zudem hatte sich bei mir kurz vor dem grossen Tag noch ein schmerzhafter Fersensporn bemerkbar gemacht. Der Bummel durch die wunderschöne Hauptstadt am Vortag und die leckeren mit Fisch belegten Smørrebrøds gehörten auch nicht unbedingt zu einer optimalen Laufvorbereitung.
Nichtsdestotrotz stand ich am 29. März zusammen mit Laufkollege Urs an der Startlinie. Rund eine halbe Stunde nachdem Kronprinz Frederik mit Pistolenschuss die Elite auf die Strecke schickte, waren wir an der Reihe. Im Gegensatz zu uns Schweizern hatte der dänische Thronfolger wohl die kürzeste Anreise hinter sich, erfolgten Start und Ziel doch am Schloss Christiansborg. Der mit Prinzessin Mary verheiratete Frederik ist seit 2009 Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees.
Die flache Route führte auf breiten Stassen durch Kopenhagen‘s Innenstadt vorbei an malerischen Kanälen, dem Rathausplatz und dem Vergnügungspark Tivoli. Beide Strassenseiten waren von tausenden Zuschauern umsäumt. Unter ihnen auch (mein Prinz) Markus, der mich wie immer mit Schweizer Flagge und Fotoapparat ausgerüstet, anfeuerte. Unterwegs gab es über 20 Musikbands, die von rockig dänisch bis hin zum „We are the champions“ alles spielten. Und immer wieder aufmunternde Zurufe von einem Publikum mit vielen rot-weissen dänischen Fähnchen. Der Halbmarathon wurde in dieser Form explizit nur für diese Weltmeisterschaft ausgetragen, ein zweites Mal wird es ihn voraussichtlich nicht geben, da in Kopenhagen jedes Jahr im Mai bereits ein Marathon stattfindet.
Wären Wetter, Stimmung und Strecke nicht so einmalig gewesen, hätte ich den Lauf wohl abgebrochen. Zu sehr schmerzte mich die Ferse am linken Fuss. Aber ich lief tapfer weiter. Vielleicht ist ja das „nicht-so-rasch-aufgeben“ doch eine Eigenschaft, die es für eine Teilnahme an einer Weltmeisterschaft braucht, auch wenn ich diesen Lauf mit einer Zeit von 2:20:30 h nicht besonders glorreich beendete.