Im letzten Oktober habe ich
in einer Laufzeitschrift gelesen, dass anlässlich der Halbmarathon
Weltmeisterschaft in Kopenhagen nebst 300 Eliteläufern noch 25'000 Startplätze
für Amateurläufer vergeben würden. Davon waren 20'000 Startnummern für dänische
Teilnehmer innerhalb von zwei Tagen ausverkauft. Die restlichen 5'000 Plätze
standen danach noch internationalen Athleten zur Verfügung.
Warum nicht mal
wieder einen Städtetrip planen und einmal an einer WM „unter ferner liefen“
teilnehmen? Ich meldete mich sogleich an, obwohl ich zum Zeitpunkt der
Anmeldung mehr schlecht als recht vorbereitet war.
Leider holte ich meine Form auch bis zum Lauftag hin nicht mehr ein. Zudem hatte sich bei mir kurz
vor dem grossen Tag noch ein schmerzhafter Fersensporn bemerkbar gemacht. Der Bummel durch die wunderschöne Hauptstadt am Vortag und die leckeren mit Fisch belegten Smørrebrøds gehörten auch nicht unbedingt zu einer optimalen Laufvorbereitung.
Nichtsdestotrotz
stand ich am 29. März zusammen mit Laufkollege Urs an der Startlinie. Rund eine
halbe Stunde nachdem Kronprinz Frederik mit Pistolenschuss die Elite auf
die Strecke schickte, waren wir an der Reihe. Im Gegensatz zu uns Schweizern hatte
der dänische Thronfolger wohl die kürzeste Anreise hinter sich, erfolgten Start und
Ziel doch am Schloss Christiansborg. Der mit Prinzessin Mary verheiratete
Frederik ist seit 2009 Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees.
Die
flache Route führte auf breiten Stassen durch Kopenhagen‘s Innenstadt vorbei an
malerischen Kanälen, dem Rathausplatz und dem Vergnügungspark Tivoli. Beide
Strassenseiten waren von tausenden Zuschauern umsäumt. Unter ihnen auch (mein
Prinz) Markus, der mich wie immer mit Schweizer Flagge und Fotoapparat
ausgerüstet, anfeuerte. Unterwegs gab es über 20 Musikbands, die von rockig
dänisch bis hin zum „We are the champions“ alles spielten. Und immer wieder
aufmunternde Zurufe von einem Publikum mit vielen rot-weissen dänischen
Fähnchen. Der Halbmarathon wurde in dieser Form explizit nur für diese
Weltmeisterschaft ausgetragen, ein zweites Mal wird es ihn voraussichtlich
nicht geben, da in Kopenhagen jedes Jahr im Mai bereits ein Marathon
stattfindet.
Wären Wetter, Stimmung und Strecke nicht so einmalig gewesen,
hätte ich den Lauf wohl abgebrochen. Zu sehr schmerzte mich die Ferse am linken
Fuss. Aber ich lief tapfer weiter. Vielleicht ist ja das
„nicht-so-rasch-aufgeben“ doch eine Eigenschaft, die es für eine Teilnahme an
einer Weltmeisterschaft braucht, auch wenn ich diesen Lauf mit einer Zeit von
2:20:30 h nicht besonders glorreich beendete.