Dienstag, 5. September 2017

Project Fifty-Five

Im September feiere ich einen „Schnapszahl-Geburtstag“ und zu so einem Ereignis gehört auch eine „Schnaps-Idee“.
Ich möchte während des ganzen Monats 55 km schwimmen, natürlich nicht alles am Stück, sondern verteilt. Durchschnittlich ca. 2 km pro Tag. Dies kann an einem Tag nur 1 km sein, an anderen Tagen dafür wieder etwas mehr. Am Ende des Monates müssen es einfach 55 km.
 
Damit ich mein Ziel auch wirklich verfolge, habe ich das Vorhaben bei meinem Verein "Freizeitsportler" auf der Homepage ausgeschrieben und belohne all jene, die mich dabei unterstützen.

Alle, die mit mir mindestens 5 km schwimmen, lade ich am Schluss zu einem gemeinsamen Pizzaessen ein. Auch eure km können beliebig aufgeteilt werden. Es spielt dabei keine Rolle, ob ihr Brust schwimmt oder crawlt oder ob ihr eure Schwimmübungen macht.
Ich werde dabei die Hallenbäder, Schwimmbäder oder Seen abwechseln und komme auch gerne mal in euer Lieblingsbad. Kontaktiert mich einfach und gebt mir eure Termine durch. Gerne nehme ich euch in meine Chatgruppe auf.
 
Ich berichte hier nun fortlaufend, wann ich wo und wie viele Kilometer ich vollbracht habe und wer mich dabei begleitet hat.

"Kick-Off" zu meinem Vorhaben, welches ich "Project Fifty-Five" nenne, hat dann auch tatsächlich am 1. September 2017, in aller Frühe, um 6 Uhr morgens, im Hallenbad Uster stattgefunden. Meine treuen Early-Bird-Schwimmgspändli haben mich am ersten Tag tatkräftig unterstützt und motiviert, so dass ich mit 2.2 km in mein "Project" gestartet bin.
 
 
 
 
 
Am 2. und 3. Tag habe ich mich alleine aufgerafft. Motiviert hat mich dabei eine Bahn ganz für mich alleine im Hallenbad. Erst später bemerkte ich, dass ich mich in der Bahn "S" bewegte. S von U S T E R oder eben S wie Susanne. Wenn das kein Zeichen ist, dass ich schwimmen soll :-).
 
 
 
Am 4. Tag hat sich dann auch Markus ins Hallenbad gesellt. Nicht nur weil er sich die Pizza abverdienen will, sondern auch um mich zu unterstützen. Von Anfang an ist er von der Idee begeistert und freut sich mit mir, dass mein Körper am Abend mal nicht nur von der Arbeit, sondern vom Sport wohlig müde ist.
 
 
 
 
 

Am 5. Tag habe ich mich bereits an die körperliche Herausforderung gewöhnt und bin voll auf Kurs. Über 10 km sind bereits auf meinem "Project-Konto" verbucht. Aber natürlich ist es noch ein weiter Weg bis km 55 und ich freue mich immer auf Unterstützung. Heute bekam ich gleich Support von 4 weiteren Schwimmbegeisterten.
 
 
 

Ein Glück, dass ich mich am 6. Tag mit Fränzi im Hallenbad in Oerlikon verabredet hatte. Zu gerne hätte ich mich nochmals im Bett umgedreht, als der Wecker um 5 Uhr morgens losging. Aber auch heute hat mir das gemeinsame Schwimmen Spass gemacht. Nach einer Stunde im Wasser war meine Müdigkeit endgültig verschwunden, so dass ich am Abend nochmals ein paar Längen im Freibad Seebach abspulte. In zwei Wochen geht die Freibadsaison zu Ende, bis dahin bleibt das Schwimmbad in Seebach bei herrlich angenehmen 25 Grad Wassertemperaturen geöffnet.
 
 
Auch am 8. Tag halfen mir meine immer treuen Early-Bird-Schwimmkollegen Claudia, Loris und Reni meinem Projekt weitere  2 Kilometer anzuhängen. Insbesondere Strahlefrau Reni weiss, wie sie mich aufheitern kann. Feiert ihr Lebenspartner Tomi doch am gleichen Tag Geburtstag, wie ich.

Es ist Herbst geworden, das Wetter garstig am 9. Schwimmtag. Wer nun glaubt, das Hallenbad sei rappelvoll an so einem Tag, irrt sich gewaltig. Markus und ich teilten uns das 50-Meter-Becken im Hallenbad Uster ganz alleine.

Obwohl Schwimm-Crack Andrea nicht nur wegen der versprochenen Pizza mit mir trainiert, hat sie sich am 10. Tag als Erste für die Gratis-Pizza qualifiziert. Bei jedem Training schafft es Andrea, mich aufzumuntern, so dass ich jedes Mal ein paar Längen mehr schwimme, als ich mir eigentlich vorgenommen habe.

Es läuft gut bei meinem Vorhaben und ich schwimme die 2 km pro Tag bereits ziemlich locker. Weit schwieriger gestaltet sich am 11. Tag das Fotografieren im Hallenbad. In den meisten Bädern ist dies ja verboten. So müssen Fränzi und ich uns im leeren Kinderbecken verstecken, um ein Erinnerungsbild zu schiessen.
 
Es ist wohl auch ein Zeichen, dass man älter wird. Anstatt ausgiebig zu feiern und lange im Bett zu bleiben, habe ich meinen Geburtstag mit einem Schwimmtraining begonnen. Auch Langschläfer Markus hat sich aufgerafft und wurde am 12. Tag mit vielen Glückshormonen belohnt. Am gemeinsamen Schwimmen mit den Early Birds hat er offensichtlich Gefallen gefunden.
 
 
 
 
Wow, Tag 13 und schon habe ich mit 27.5 km bereits die Hälfte meines geplanten Schwimmpensums erreicht. Ich kann mir schon fast ein Leben ohne zu schwimmen gar nicht mehr vorstellen. Doch auch wenn das Training heute mit Reni super Spass gemacht hat, ist morgen Pausentag angesagt.
 
 
 
 
 

An den Pausentag (Tag 14) habe ich mich schön artig gehalten. Am 15. Tag hatte ich mir dafür wieder eine längere Schwimmeinheit vorgenommen. Am Morgen im Hallenbad war ich aber noch etwas müde. So ging ich am Nachmittag im Freibad Pfäffikon zum zweiten Mal schwimmen und weil sich die warme Herbstsonne nochmals von ihrer allerbesten Seite zeigte, durfte auch ein Sprung in den Pfäffikersee nicht fehlen. Noch eine ganze Woche lang bleibt das Schwimmbad offen. Der Gedanke, dass sich die Freibad-Saison dem Ende neigt, macht mich schon etwas wehmütig. Aber zum Glück kann man ja bei jeder Witterung draussen, wie auch im Hallenbad schwimmen und ich werde mein "Projekt" weiterhin verfolgen.
 
 
 
 
 
 

 

Im Freien draussen zu schwimmen, möchten Tomi, Reni und ich diese Saison noch möglichst lange ausnützen. So sind wir am 16. Tag mit Badehose und Neopren-Anzug bepackt nochmals nach Pfäffikon gefahren. Nach 200 Metern im See haben wir jedoch den Schwumm im Bassin vorgezogen. Reni bewegte sich dabei wie ein Fisch und stieg erst nach 4.2 km wieder aus dem Wasser. Tomi und ich warteten zwischenzeitlich gemütlich bei Kaffee und Kuchen im geheizten Badi-Restaurant.
 
 

"Häsch no kei Schwümmhüüt?" werde ich oftmals gefragt. Das habe ich noch nicht, aber wie auch bei anderen Situationen im Leben, muss man aufpassen, dass keine Langeweile aufkommt. Damit dies nicht passiert, habe ich am 17. Tag sämtliche Schwimmutensilien in den Rucksack gepackt. Pullbuoy, Brettli, Schwimmpaddels, Flossen. Dies bringt nicht nur Abwechslung in die Bewegung, es hilft auch, Schwimmstil und Wasserlage zu optimieren.

Montag und 18. Tag. Bis zu meinem Ziel muss ich noch rund 20 km schwimmen. In Laufkilometern wäre dies etwas weniger als die Greifenseelauf-Distanz. Eine Strecke, für welche der Sieger, Tadesse Abraham, am letzten Samstag 1:03:19 h benötigte, stehen mir noch weitere 12 Tage zur Verfügung.

Keine 12 Stunden sind vergangen und am Tag 19 bin ich schon wieder mit den Early Bird Schwimmern Andrea und Martina im Wasser unterwegs. Badehose und Handtuch konnten kaum trocknen in der kurzen Zeit. Die beiden fleissigen Schwimmerinnen haben sich (wie auch Claudia, Loris und Reni) die versprochene Pizza schon längst verdient und zwar nicht nur eine aufblasbare Schwimmpizza :-)
 
Am 20. Tag hätte ich mich zwar gerne auf so einer Pizza-Luftmatratze treiben lassen. Aber da meine Trainingspartnerinnen Ursi und Reni fast pausenlos im 50-Meter-Becken rauf und runter crawlten, durfte ich mir keine Blösse geben. Am Ende konnte ich ebenfalls 2.5 km zu Buche schlagen.
 
 
 
 
 
Altweiberschwimmen am Altweibersommertag. So könnte man meinen 22. Schwimmtag scherzhaft bezeichnen. Zu dritt haben wir uns (insgesamt sind wir über 150 Jahre alt) heute in Pfäffikon getroffen. Aber was heisst schon alt! Eva, die rüstige Triathletin im Rentenalter, Britta und ich konnten bei traumhaft mildem Herbstwetter ein paar Längen im Freibad schwimmen. Eva kam dabei mit dem Rennrad aus Volketswil angeradelt und lässt mich in Sachen Fitness alt aussehen.
 
 
Tag 23 und noch 10 Schwimmkilometer liegen vor mir, um mein Project erfolgreich abzuschliessen. In der Bahn neben Markus, Ursi und mir trainierte heute der Schwimmclub Uster. Es sieht toll aus, wenn die durchtrainierten Athleten elegant übers Wasser gleiten. Die jungen Schwimmerinnen und Schwimmer bräuchten wohl keinen Monat für 55 km.
 
Sonntag, 24. September. Wieder ein prächtiger Herbsttag. Kein Wunder treffe ich heute niemanden zum Schwimmen. Markus fährt in Einsiedeln am Iron Bike Rennen mit. So schwimme ich heute alleine meine Runden im Hallenbad Uster. Das Bad hat sich seit der Wiedereröffnung im Dezember zu meinem Lieblingsbad gemausert und ich schwimme auch ab und zu ganz gerne für mich alleine. Dank dem grosszügigen neuen 50-Meter-Becken findet man auch immer genügend Platz und gar nichts mehr erinnert an das alte Bad und an den tragischen Deckeneinsturz vom Mai 1985.
 
Wie sagt man in unserem Dialekt so schön: "Langsam gnüegelets!" Ich musste mich am 25. Tag schon etwas zwingen. Hätte Markus mich nicht ins Hallenbad begleitet, hätte ich wohl geklemmt. Aber wie schon so oft, erging es mir auch heute. Wenn ich mal "Betriebstemperatur" erreicht habe, schwimmt es sich wie von selbst.

Das Early Bird Swimming ist aus dem Trainingskalender der Freizeitsportler gar nicht mehr wegzudenken. Am frühen Morgen des 26. Tages trainierten gleich 5 schwimmfreudige Wasserratten in der gleichen Bahn. Natürlich bleibt dabei auch immer noch Zeit für einen kleinen Schwatz. Reni erzählte dabei von ihren Erlebnissen am Menorca Channel Swimming. Ganze 10 km am Stück ist sie am letzten Sonntag im Meer geschwommen. Bravo Reni.

Die letzten Septembertage stehen an und somit nur noch 4 Tage, um mein Ziel zu erreichen. Nun beginnt die Rechnerei. Soll ich die restlichen 4.5 km auf 2 Tage verteilen oder die Sache etwas gemütlicher angehen? Ich habe mich für die zweite Variante entschieden und bin am 27. Tag "nur" 1.5 km geschwommen.

In all den 28 Tagen habe ich fast immer Unterstützung erhalten und musste ganz selten alleine schwimmen. Dies war auch heute so. Nicht dass ich heute alleine im Bad gewesen wäre. Das Hallenbad Oerlikon war zum Bersten voll.
Das war dann etwas weniger angenehm und für mein Durchhaltevermögen habe ich mich mit einer neuen Badehose belohnt. 

Das (für mich) historische Erreichen meines Zieles fand am 29. Tag im Hallenbad Uster unter Anwesenheit der Early-Bird-Schwimmgruppe statt. Am Ende waren es sogar 55 km und 555 Meter (wenn man den Schwumm vom Bahnende bis zur Treppe mitrechnet). "Das ist nichts besonderes", fand ein uns fremder Hallenbadbesucher, er schwimme seit Jahren täglich 2 km. Da hat er sicher recht und auch ich finde, die Distanz ist machbar. Es braucht nur ein bisschen Disziplin und den Willen, täglich in ein Schwimmbad zu fahren. Dank vielen lieben Schwimmfreunden brauchte es für mich nicht so viel Überwindung. Ich bleibe auf jeden Fall dran und werde solange ich Spass habe, so oft wie möglich im Schwimmbecken anzutreffen sein.

01.09.17 - 2.2 km Hallenbad Uster mit Andrea und Loris
02.09.17 - 2.5 km Hallenbad Uster alleine
03.09.17 - 2.2 km Hallenbad Uster alleine
04.09.17 - 2.0 km Hallenbad Uster mit Markus
05.09.17 - 2.5 km Hallenbad Uster mit Andrea, Claudia, Martina und Salva
06.09.17 - 1.6 km Hallenbad Oerlikon mit Fränzi
06.09.17 - 1.5 km Freibad Seebach
07.09.17 - Pausentag
08.09.17 - 2.0 km Hallenbad Uster mit Claudia, Loris und Reni
09.09.17 - 2.0 km Hallenbad Uster mit Markus
10.09.17 - 2.6 km Hallenbad Uster mit Andrea
11.09.17 - 2.5 km Hallenbad Oerlikon mit Fränzi
12.09.17 - 1.6 km Hallenbad Uster mit Andrea, Claudia, Loris und Markus
13.09.17 - 2.3 km Hallenbad Uster mit Reni
14.09.17 - Pausentag
15.09.17 - 1.5 km Hallenbad Uster mit Andrea, Claudia, Loris und Martina
15.09.17 - 1.5 km Freibad Pfäffikon alleine
16.09.17 - 2.2 km Freibad Pfäffikon mit Reni und Tomi (davon 200 Meter im See)
17.09.17 - 2 km Hallenbad Uster mit Reni
18.09.17 - 1.5 km Hallenbad Uster mit Markus
19.09.17 - 1.8 km Hallenbad Uster mit Andrea und Martina
20.09.17 - 2.5 km Hallenbad Uster mit Reni und Ursi
21.09.17 - Pausentag
22.09.17 - 2.0 km Freibad Pfäffikon mit Britta und Eva
23.09.17 - 2.5 km Hallenbad Uster mit Markus und Ursi
24.09.17 - 2.0 km Hallenbad Uster alleine
25.09.17 - 2.0 km Hallenbad Uster mit Markus und Andrea
26.09.17 - 1.5 km Hallenbad Uster mit Claudia, Loris, Martina und Reni
27.09.17 - 1.5 km Hallenbad Uster alleine
28.09.17 - 1.5 km Hallenbad Oerlikon alleine
29.09.17 - 2.055 km im Hallenbad Uster mit Andrea, Claudia, Loris, Martina und Salva
30.09.17 - Pausentag

Montag, 31. Oktober 2016

Auf dem Cami de Cavalls

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Lang, lang ist's her, seit wir hier etwas geschrieben haben. Zwar ist Markus sehr fit und oft mit dem Bike unterwegs. Aber seit meiner misslungenen Knieoperation im August 2015 ist Sport (insbesondere Joggen) für mich leider unmöglich geworden.
Tja, „Life goes on“ und da die Aerzte mir zu viel Bewegung anraten, erstaunt es auch nicht, dass der Vorschlag, Bike-Ferien zu machen, von mir kam.

Durch einen Laufbericht von Freunden hatten wir erfahren, dass man die Balearen-Insel Menorca auf dem alten Pferdeweg “Cami de Cavalls” umrunden kann. Dies nicht nur zu Pferde, sondern auch hervorragend zu Fuss oder per Bike. Der Weg führt über verschiedene Etappen durch die einmalige Küstenlandschaft Menorcas, die von der UNESCO aufgrund ihres Reichtums zum Biosphärenreservat erklärt worden ist.
((Herzlichen Dank an Elsbeth und Claudius für den Tipp!))
 
Sofort stöberten wir im Internet herum und stiessen bald auf www.camidecavalls360.com, ein menorquinisches Unternehmen, welches Aktivitäten rund um diesen 185 km langen Weg anbietet. Egal, mit wie vielen PS und wie viele Tage man unterwegs sein möchte, die Organisation beinhaltet Hotelübernachtungen (in 3- oder 4-Sterne-Hotels), Gepäcktransport und Bike-Miete. Die Touren kann man geführt oder auf eigene Faust buchen, zur Auswahl stehen 3 bis 6 Etappen. Da ich als Bike-Anfängerin eingestuft werden musste, entschieden wir uns für 6 Etappen auf eigene Faust und reservierten auch gleich vollgefederte 29“ Fully Carbon Bikes. Währenddessen mich Selbstzweifel plagten, war Markus eher skeptisch, was die Miet-Bikes anbelangt. 3 Tage vor Abreise wurde uns der Treffpunkt für die Bike-Übergabe (auf irgendeinem Parkplatz mitten in der Hauptstadt Mahon), GPS-Daten und Hotelliste gemailt.
 
Konnte ja eigentlich nichts mehr schief gehen. Und gleich vorweg: Es lief auch gar nichts schief. Die ganze Reise, die Organisation, die Fahrräder, der Cami de Cavalls, die Insel, die Hotels, das Wetter, die milden Temperaturen… wir können gar nicht mehr aufhören zu schwärmen. Die kleinere und ruhigere Schwester von Mallorca ist ein Bijou.
 
Es fing damit an, dass der sympathische Joan von 360 Cami de Cavalls Punkt 10 Uhr mit unseren Wunsch-Bikes am besagten Treffpunkt stand. Er übergab uns noch eine Landkarte, ein Buch und allerlei wertvolle Tipps und betonte dabei, dass der Cami de Cavalls sehr technisch und nirgends einfach zu fahren sei. Von ein paar sehr schwierigen Passagen riet er uns gar ab und empfahl uns vom Weg abzukommen und Umwege zu fahren. Hoppla, wir sind eigentlich von einer gemütlichen, mehrtägigen Inselrundfahrt ausgegangen. Bevor wir losfuhren, hat uns Joan noch in eine Whatsapp-Chatgruppe aufgenommen, damit wir das Team von 360 jederzeit kontaktieren und sie uns laufend weitere Tipps geben konnten.
 
Auf den einzelnen Etappen gibt es keine Trinkwasserstellen. Was die Ausschilderung der Strecke betrifft, ist der Weg jedoch einfach zu finden, insofern die homologierten Streckenabschnitte mit Holzpfeilern von einem halben Meter Höhe und einem Schild des Weitwanderweges gekennzeichnet sind. Verfahren ist (praktisch) unmöglich. Zudem hatte Markus daheim schon die GPS-Daten auf seinen Garmin-Computer runtergeladen.
 
So fuhren wir jeweils nach reichhaltigem Frühstück im Hotel nur mit einem kleinen Rucksack und reichlich Wasser los. Kaum von der Hauptstrasse weg, war man nur für sich, umgeben nur vom Rauschen des Meeres und dem Wind, was uns schon bald eine innere Zufriedenheit gab und uns ein Gefühl von Freiheit vermittelte. Oftmals waren wir lange Streckenabschnitte ganz alleine, nur selten kamen vereinzelte Wanderer oder Biker (meistens Spanier) entgegen.
 
Eine abwechslungsreiche Gegend, traumhaft schön, mal ging’s auf felsigem Untergrund steil rauf, dann wieder auf sandigem Boden runter. Mal führte der Weg über hölzerne Treppen oder wir schoben unsere Bikes über weite, leere Strände und kurbelten auf Holzstegen über Sumpflandschaften. Immer wieder am türkisblauen Meer entlang, dann wieder durch mystisch wirkende Steineichenwälder. Fuhren wir eben noch durch ein schneeweisses, verschlafenes Dörfchen, schlängelte man sich nur ein paar Meter weiter vorbei an rötlichen Felshöhlen und schroffen Küsten. Dann begegneten wir wenig später auf grünen Wiesen friedlich weidenden Kühen oder eben den „Cavalls“. Die Strecke ist so vielfältig, aber immer wird vollste Konzentration verlangt, denn Joan hatte nicht übertrieben: ganz so einfach ist der Cami de Cavalls nicht und es gab durchaus auch Passagen, wo Markus vom Fahrrad steigen musste.

Trotzdem konnten wir jeden Meter geniessen, hielten oftmals begeistert an, um die Schönheit der Natur fotografisch festzuhalten. Die einzelnen Landabschnitte sind meistens durch die typisch menorquinischen Holzgatter getrennt. So mussten wir gefühlte 1000 Tore öffnen und wieder schliessen. Und natürlich durfte ab und zu auch ein Bad im glasklaren Meer nicht fehlen.
 
Dennoch kamen wir flott und unfallfrei vorwärts und hatten in diesem Urlaub so viel Kraft getankt wie selten zuvor.
 
Unsere Etappen
Etappe 1             
Maó - Arenal d'en Castell             42,1 km, 725 Höhenmeter
Etappe 2            
Arenal d'en Castell – Ferreries    37,6 km, 588 Höhenmeter
Etappe 3            
Ferreries – Ciutadella                   44,4 km 711 Höhenmeter
Etappe 4            
Ciutadella - Cala Galdana            30,3 km, 335 Höhenmeter
Etappe 5            
Cala Galdana - Cala en Porter     31,1 km, 700 Höhenmeter
Etappe 6            
Cala en Porter – Maó                     36,2 km, 376 Höhenmeter
 
Obwohl wir nie einen platten Reifen oder anderen Defekt an unseren Rädern erlitten, wurden die Bikes nach der 3. Etappe in Ciutadella vom Velofachgeschäft http://www.totvelo.com/ nochmals einwandfrei und kostenlos revidiert und geputzt.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Montag, 13. Juli 2015

Markus schnuppert Gigathlon-Luft

Im Jahr 1995 hat Markus den Trans Swiss Triathlon noch im Alleingang gemeistert. Von Tenero ging es dazumal 3.5 km schwimmend von Locarno nach Tenero, von Tenero mit dem Rennrad 225 km bis nach Greifensee und zum Schluss noch 46 km rennend von Greifensee zum Rheinfall. Dies alles in einem Tag. Im 1999 fand der Wettkampf dann zum letzten Mal in dieser Form statt und ein paar Jahre später wurde vom gleichen Veranstalter der Gigathlon ins Leben gerufen.
Somit kann man schon sagen, dass Markus als Gigathlon-tauglich gilt. Als er vor einer Woche von den "Freizeitsportler.ch" angefragt wurde, ob er im " Team of Five" für den verletzten Biker Roland einspringen würde, sagte er sofort zu. Ein solches Team besteht aus 5 Personen, die pro Tag je eine Disziplin absolvieren, davon müssen mindestens 2 Frauen dabei sein.
Markus musste am Samstagmorgen in Aarau um 8 Uhr morgens gleich als Erster los. Stand ihm das Glück im Februar am Cape Epic noch voll zur Seite, musste er sich im "Rüebliland" auf der 39 km langen Bikestrecke mit einem Kettenbruch herumschlagen. Diese musste er unterwegs eigenhändig reparieren und kam schliesslich mit mehr als einer Viertelstunde Zeitverlust ins Ziel. Loris musste danach 9 km in der Aare flussabwärts schwimmen (dies entspricht etwa 3 km im stehenden Gewässer). Inlinerin Karin übernahm die Strecke ab Wildegg bis Windisch, wo Dani einen beherzten 18-km-Lauf mit 670 Höhenmetern unter die Füsse nahm. Als Letzte strampelte dann Claudia bei brütender Hitze noch 96 km mit 1950 Höhenmetern auf dem Rennrad ab.
Der zweite Tag verlief dann in ähnlichen Distanzen ohne Probleme und Defekte. Nach 22:20 Stunden liefen die 5 Helden glücklich ins Ziel. Hut ab, was die Freizeitsportler geleistet haben.

Freitag, 12. Juni 2015

Mit "Rad & Finca" auf Mallorca

Im Winter erzählte mir meine Freundin Monika, dass man über www.radunfinca-mallorca.com gemütliche Radtouren mit Uebernachtung bei ihnen auf der Finca Son Canals buchen kann.

Die Touren sind leicht und auch für nicht so geübte Radler zu bewältigen…

…ist auf der Homepage von www.radunfinca-mallorca.com zu lesen. Das wäre doch genau das Richtige für mich, bin ich doch momentan nicht so fit im Laufsport und auch schon mehrere Jahre nicht mehr mit dem Rennrad gefahren. Die 6 Etappen von 12 bis 70 km sollte ich schaffen und sonst könnte ich auch mal eine auslassen, da man auf der sogenannten Sternfahrt immer am gleichen Ort übernachtet. So hätte ich zwei Fliegen auf einen Streich. Könnte mich einerseits etwas sportlich betätigen und gleichzeitig unsere Freunde in Mallorca besuchen.
Unmittelbar nach der Buchung wurden mir detaillierte Routenpläne mit Kilometer-Angaben per Post zugestellt. Da kamen jedoch schon mal die ersten Zweifel auf: “Muss ich denn da alleine Rad fahren und die Strecke jeweils suchen?” Radferien kenne ich sonst nur mit einem Guide, der vorausfährt und man einfach in die Pedalen tritt und diesem folgt.
 
„Du bestimmst dein Tempo, deine Pausen, da all unsere Touren individuell und nicht geführt sind. Es besteht kein Gruppenzwang! Erfahrungsgemäss ist es aber so, dass sich eine Gruppe bildet und alle gemeinsam fahren. In der Woche sind noch weitere 5 Personen auf Son Canals. Alle fahren die gleichen Touren. Die Streckenbeschreibung ist eine  Orientierungshilfe, zusätzlich sind unsere Strecken auch mit eigenen Pfeilen an Strassenschildern ausgeklebt.“ wurde ich von Rad & Finca aufgeklärt.

Da war ich ja mal gespannt, ob ich Anschluss zu einer Gruppe finden würde, zumal ich auch erst einen Tag später anreiste. Kurz nach Ankunft auf der Finca, stellte mich Monika gleich den anderen Teilnehmern vor. Claudine und Thomas aus der Schweiz, Claus-Peter und Uschi mit ihrem 34-jährigen „Kind“ Steffi aus dem deutschen Erfurt. Sie alle sind am Tag bereits die 1. Etappe gefahren und tatsächlich machten wir gleich ab, dass ich ab morgen gemeinsam mit den drei Deutschen fahren würde. Nach dem Nachtessen wurde ich von Uli und Stefan, den Machern von „Rad & Finca“, herzlich begrüsst und die Etappen wurden nochmals besprochen. Das auf meine Grösse vorbestellte 21-Gang-Trekkingrad passte bestens. Zur Ausrüstung gehörten ein Nummernschloss, eine praktische Seitentasche und eine Lenkradtasche, in welcher man das Kartenmaterial gut sichtbar verstauen kann.

Am 1. Tag brauchte ich allerdings noch keine Streckenkarte. Nach dem reichhaltigen Frühstück ging es vorerst nur zum Bahnhof von Petra, wo wir unsere Räder hinstellten und mit dem Zug nach Palma fuhren. Dort erwartete uns ein geführter Stadtrundgang. Obwohl ich Palma schon so oft besucht hatte, erfuhr ich von dem Reiseleiter viele interessante Neuigkeiten über die Stadt Palma und Mallorca. Natürlich blieb auch genügend Zeit, um durch die vielen Gassen zu flanieren, sich beim Shopping zu verweilen oder um sich in einem der hübschen Strassencafés zu vergnügen.
Ab Dienstag waren die Etappen dann schon etwas länger. Rundfahrten zwischen 36 und 70 km waren auf dem Programm, aber immer mit abwechslungsreichen Zwischenstopps, die sich die Rad-und-Finca-Organisatoren mit viel Fingerspitzengefühl ausgesucht hatten. Alles war perfekt organisiert und im Pauschalpreis inbegriffen.

Am 2. Tag fuhren wir zuerst auf verkehrsarmen Nebenstrassen zu einem Restaurant mit typisch mallorquinischem „Pa amb Oli“ (Brot und Olivenöl), bevor es dann vorbei an Mandel- und Olivenbäumen nach Santa Maria del Camí weiterging. Dort war für uns am späteren Nachmittag eine Besichtigung mit Degustation auf dem Weingut Macia Batle reserviert. Damit wir den Wein auch geniessen konnten, wurden wir von „Rad& Finca“ samt Räder abgeholt und mit dem Transporter zurück zur Finca gebracht. Obwohl es den edlen Rebensaft aus Binissalem nicht literweise gab, lockerte es schon ein bisschen unsere Stimmung. Am Abend beim gemeinsamen Nachtessen wurde viel gelacht und bei einem Art „heiteren Berufsraten“ lernten wir uns auch schon besser kennen.

Ein weiteres Highlight erfolgte am 3. Tag. Nach einem Besuch auf dem Markt in Sineu landeten wir zum Mittagessen im Dörfchen Maria de la Salut in einer landesüblichen Metzgerei. Mit viel Herzlichkeit wurde von dem familiären Betrieb grosszügig alles aufgetischt, was die mallorquinische Küche zu bieten hat. Gestärkt mit Sobrasada, Käse, Tomaten, Oliven, Brot und Ensaimada bis hin zum Kräuterschnaps radelten wir die letzten 10 Kilometer zur Finca zurück.
Die Königsetappe von 70 km am folgenden Tag liess ich aus. Gut erholt nahm ich dann am 5. Tag die Etappe zusammen mit den drei Deutschen in Angriff. Wir vier verstanden uns unterdessen grossartig und ergänzten uns prima. Wurde ich doch stets bergauf von der leichtgewichtigen Buchhalterin Uschi überholt, als wäre sie mit einem E-Bike unterwegs. Bergab konnte ich dann trumpfen und sie alle wieder einholen. Dass Monika uns heute begleitete, war natürlich noch das Tüpfelchen auf dem i. Bei einem ersten Halt auf der Aloe-Vera-Farm durften wir uns mit einem Aloe-Vera-Drink stärken und lernten dabei einige interessante Fakts zu dieser Pflanze. A
uf wunderschönen Landstrassen fuhren wir danach ins hotelfreie Küstendorf Son Serra de Marina zur „El Sol Sunshine Bar“. Nach dem leckeren Mittagessen direkt am Strand, kam uns der 15 km lange Heimweg endlos vor. Dies lag wohl auch daran, dass wir durch den schattigen Pinienwald allerlei Tieren begegneten. Die jungen schwarzen Schweinchen mussten natürlich bildlich festgehalten werden. Zudem wollten wir noch ein ausgebüxtes Geisslein zurück zur Herde treiben. Das komplett verängstigte Jungtier wollte sich aber leider nicht helfen lassen.

 
Eine abwechslungsreiche Fahrt zum Dörfchen Sant Llorenç des Cardassar rundete schliesslich eine unvergessliche Radwoche ab. Ich weiss nicht, an wievielen Pflanzen- und Tierarten wir auf der 6. Etappe vorbeikamen. Von Artischockenfeldern bis zu Zitronenbäumen haben wir alles gesehen. Auf dem Rückweg fuhren wir über den neu erstellten Via Verde. Ein 28 km langer Rad- und Wanderweg, der eigentlich als Trasse für die Eisenbahn vorgesehen war.

Nach 6 Etappen mit knapp 200 km in den Pedalen (ich weiss, andere schaffen dies in einem Tag) und vielen lustigen Stunden auf dem Rad, war diese Woche genau das Richtige für mich.