Montag, 31. Oktober 2016

Auf dem Cami de Cavalls

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Lang, lang ist's her, seit wir hier etwas geschrieben haben. Zwar ist Markus sehr fit und oft mit dem Bike unterwegs. Aber seit meiner misslungenen Knieoperation im August 2015 ist Sport (insbesondere Joggen) für mich leider unmöglich geworden.
Tja, „Life goes on“ und da die Aerzte mir zu viel Bewegung anraten, erstaunt es auch nicht, dass der Vorschlag, Bike-Ferien zu machen, von mir kam.

Durch einen Laufbericht von Freunden hatten wir erfahren, dass man die Balearen-Insel Menorca auf dem alten Pferdeweg “Cami de Cavalls” umrunden kann. Dies nicht nur zu Pferde, sondern auch hervorragend zu Fuss oder per Bike. Der Weg führt über verschiedene Etappen durch die einmalige Küstenlandschaft Menorcas, die von der UNESCO aufgrund ihres Reichtums zum Biosphärenreservat erklärt worden ist.
((Herzlichen Dank an Elsbeth und Claudius für den Tipp!))
 
Sofort stöberten wir im Internet herum und stiessen bald auf www.camidecavalls360.com, ein menorquinisches Unternehmen, welches Aktivitäten rund um diesen 185 km langen Weg anbietet. Egal, mit wie vielen PS und wie viele Tage man unterwegs sein möchte, die Organisation beinhaltet Hotelübernachtungen (in 3- oder 4-Sterne-Hotels), Gepäcktransport und Bike-Miete. Die Touren kann man geführt oder auf eigene Faust buchen, zur Auswahl stehen 3 bis 6 Etappen. Da ich als Bike-Anfängerin eingestuft werden musste, entschieden wir uns für 6 Etappen auf eigene Faust und reservierten auch gleich vollgefederte 29“ Fully Carbon Bikes. Währenddessen mich Selbstzweifel plagten, war Markus eher skeptisch, was die Miet-Bikes anbelangt. 3 Tage vor Abreise wurde uns der Treffpunkt für die Bike-Übergabe (auf irgendeinem Parkplatz mitten in der Hauptstadt Mahon), GPS-Daten und Hotelliste gemailt.
 
Konnte ja eigentlich nichts mehr schief gehen. Und gleich vorweg: Es lief auch gar nichts schief. Die ganze Reise, die Organisation, die Fahrräder, der Cami de Cavalls, die Insel, die Hotels, das Wetter, die milden Temperaturen… wir können gar nicht mehr aufhören zu schwärmen. Die kleinere und ruhigere Schwester von Mallorca ist ein Bijou.
 
Es fing damit an, dass der sympathische Joan von 360 Cami de Cavalls Punkt 10 Uhr mit unseren Wunsch-Bikes am besagten Treffpunkt stand. Er übergab uns noch eine Landkarte, ein Buch und allerlei wertvolle Tipps und betonte dabei, dass der Cami de Cavalls sehr technisch und nirgends einfach zu fahren sei. Von ein paar sehr schwierigen Passagen riet er uns gar ab und empfahl uns vom Weg abzukommen und Umwege zu fahren. Hoppla, wir sind eigentlich von einer gemütlichen, mehrtägigen Inselrundfahrt ausgegangen. Bevor wir losfuhren, hat uns Joan noch in eine Whatsapp-Chatgruppe aufgenommen, damit wir das Team von 360 jederzeit kontaktieren und sie uns laufend weitere Tipps geben konnten.
 
Auf den einzelnen Etappen gibt es keine Trinkwasserstellen. Was die Ausschilderung der Strecke betrifft, ist der Weg jedoch einfach zu finden, insofern die homologierten Streckenabschnitte mit Holzpfeilern von einem halben Meter Höhe und einem Schild des Weitwanderweges gekennzeichnet sind. Verfahren ist (praktisch) unmöglich. Zudem hatte Markus daheim schon die GPS-Daten auf seinen Garmin-Computer runtergeladen.
 
So fuhren wir jeweils nach reichhaltigem Frühstück im Hotel nur mit einem kleinen Rucksack und reichlich Wasser los. Kaum von der Hauptstrasse weg, war man nur für sich, umgeben nur vom Rauschen des Meeres und dem Wind, was uns schon bald eine innere Zufriedenheit gab und uns ein Gefühl von Freiheit vermittelte. Oftmals waren wir lange Streckenabschnitte ganz alleine, nur selten kamen vereinzelte Wanderer oder Biker (meistens Spanier) entgegen.
 
Eine abwechslungsreiche Gegend, traumhaft schön, mal ging’s auf felsigem Untergrund steil rauf, dann wieder auf sandigem Boden runter. Mal führte der Weg über hölzerne Treppen oder wir schoben unsere Bikes über weite, leere Strände und kurbelten auf Holzstegen über Sumpflandschaften. Immer wieder am türkisblauen Meer entlang, dann wieder durch mystisch wirkende Steineichenwälder. Fuhren wir eben noch durch ein schneeweisses, verschlafenes Dörfchen, schlängelte man sich nur ein paar Meter weiter vorbei an rötlichen Felshöhlen und schroffen Küsten. Dann begegneten wir wenig später auf grünen Wiesen friedlich weidenden Kühen oder eben den „Cavalls“. Die Strecke ist so vielfältig, aber immer wird vollste Konzentration verlangt, denn Joan hatte nicht übertrieben: ganz so einfach ist der Cami de Cavalls nicht und es gab durchaus auch Passagen, wo Markus vom Fahrrad steigen musste.

Trotzdem konnten wir jeden Meter geniessen, hielten oftmals begeistert an, um die Schönheit der Natur fotografisch festzuhalten. Die einzelnen Landabschnitte sind meistens durch die typisch menorquinischen Holzgatter getrennt. So mussten wir gefühlte 1000 Tore öffnen und wieder schliessen. Und natürlich durfte ab und zu auch ein Bad im glasklaren Meer nicht fehlen.
 
Dennoch kamen wir flott und unfallfrei vorwärts und hatten in diesem Urlaub so viel Kraft getankt wie selten zuvor.
 
Unsere Etappen
Etappe 1             
Maó - Arenal d'en Castell             42,1 km, 725 Höhenmeter
Etappe 2            
Arenal d'en Castell – Ferreries    37,6 km, 588 Höhenmeter
Etappe 3            
Ferreries – Ciutadella                   44,4 km 711 Höhenmeter
Etappe 4            
Ciutadella - Cala Galdana            30,3 km, 335 Höhenmeter
Etappe 5            
Cala Galdana - Cala en Porter     31,1 km, 700 Höhenmeter
Etappe 6            
Cala en Porter – Maó                     36,2 km, 376 Höhenmeter
 
Obwohl wir nie einen platten Reifen oder anderen Defekt an unseren Rädern erlitten, wurden die Bikes nach der 3. Etappe in Ciutadella vom Velofachgeschäft http://www.totvelo.com/ nochmals einwandfrei und kostenlos revidiert und geputzt.